Immer mittendurch

Bergbau & Montanindustrie

Immer mittendurch

Immer mittendurch mit dem Zetros: Lehm, Matsch und jede Menge Löcher muss der geländegängige Mercedes-Benz Special Truck meistern.

Lehm, Matsch und jede Menge Löcher.

Das ist das Metier von Wasserbau Wusterhausen. Den Mitarbeitern steht ein Helfer zur Seite, der im Gelände sogar noch kompromissloser ist: der Zetros.

Als der blaue Zetros mit dem Kennzeichen OPR-MV 900 die Straße verlässt und auf die Baustelle einbiegt, wechselt Enrico Klein in die Geländeübersetzung. Dichter Nebel liegt an diesem Morgen über dem Gebiet, er zieht von der nahen Elbe auf, sie ist kaum einen Kilometer entfernt. Schotter und Schlaglöcher säumen die Piste, langsam wird der Untergrund tiefer und lehmiger, Wasser steht in den kniehohen Spurrillen – ein Kinderspiel für den 240 kW starken Geländewagen mit seinen hüfthohen Reifen.

„Det hier is jar nischt“, berlinert Klein fast ein wenig enttäuscht, während er den Offroader abstellt. Und erzählt von einer zwei Kilometer langen Anfahrt zu einer Baustelle über einen löchrigen Feldweg, der komplett unter Wasser stand. Die Wasserbau Wusterhausen GmbH hatte den Dreiachser gerade neu, und Klein wollte mal ausprobieren, was er so drauf hat. „Selbst die Kettenfahrzeuge kamen da kaum durch. Der schnitt durch das Gelände wie ein heißes Messer durch Butter – trotz voller Beladung. Das war einwandfrei. Hut ab!“

Ein Arbeiter in einer gelben Sicherheitsjacke und einem blauen Helm sichert mit einem Gurt ein großes mechanisches Teil auf einem Lkw-Ladebereich.

Kein Wunder eigentlich: Der Mercedes-Benz Zetros ist für das Gelände gemacht. Durch 80 Zentimeter tiefe Wassergräben watet das Allradfahrzeug, erklimmt im Kriechgang Steigungen von bis zu 80 Prozent. Weil die Achsen extrem gelenkig sind, sind selbst extreme Schlaglöcher für das Dickschiff mit 27 Tonnen Gesamtgewicht kein Problem. Über ein 9-Gang-Getriebe treibt der 6-Zylinder-Motor permanent alle Achsen an.

160 Kilometer Anreise haben Klein und sein Kollege Matthias Beckemeier mit dem Kraftpaket hinter sich, knapp zweieinhalb Stunden dauerte die Fahrt von Wusterhausen, unweit von Berlin, nach Darchau. In dem kleinen Ort im niedersächsischen Landkreis Lüneburg soll eine neue Biogasanlage entstehen. Kreisrund stehen die ersten von künftig sechs mächtigen Beton-Behältern auf dem Gelände, bis zu 42 Meter im Durchmesser und acht Meter hoch. Sie werden Mais aufnehmen, der in ihnen gärt und fermentiert wird. 2,6 Megawatt soll die Anlage einmal erzeugen, sie wird die Region mit Strom und Wärme versorgen.

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„Unser Job ist es, das Grundwasser abzusenken, damit die Tiefbauer in Ruhe und Sicherheit arbeiten können“, so Beckemeier. Dazu werden Brunnen gebohrt, Pumpen angeschlossen und Pipelines verlegt. Mit ihren 36 Mitarbeitern ist die Wasserbau Wusterhausen GmbH bundesweit im Einsatz. Erst kürzlich war Beckemeier mit dem Zetros in Dortmund und Gütersloh. „Lange Strecken sind überhaupt kein Problem. Der Fahrkomfort ist hoch, wir sind ganz entspannt angekommen.“

Surrend fährt Enrico Klein mit der Fernbedienung die seitlichen Stützen aus. Der Zetros schüttelt sich, als sie auf die Stützplatten treffen und diese in den Boden drücken. Eine Anzeige hinter dem Fahrerhaus leuchtet auf, sie zeigt 100 Prozent. „Wir sind fast ausschließlich in schwerem Gelände unterwegs. Oft reicht der Matsch kniehoch. Der Wagen muss sicher stehen, sonst können wir nicht arbeiten“, sagt Klein. Arbeitssicherheit hat oberste Priorität: Auch der Kran, der auf zehn Metern noch 1,4 Tonnen heben kann, wird mit der Fernbedienung gesteuert – so sind die Bediener immer außerhalb des Gefahrenbereichs.

“Lange Strecken sind überhaupt kein Problem. Der Fahrkomfort ist hoch, wir sind ganz entspannt angekommen.”

Matthias Beckemeier, Wasserbau Wusterhausen GmbH

Der Aufbau des Zetros 2733 stammt von Hüffermann Transportsysteme. Er ist genau auf den Bedarf von Wasserbau Wusterhausen abgestimmt. Sechs Vakuumkolbenpumpen, jede 1,6 Tonnen schwer, passen auf die Ladefläche. Mit dem zusätzlichen Bohrgestänge bleibt bei zehn Tonnen Nutzlast noch Luft. „Wir setzten sonst den Unimog zum Bohren ein, und den Actros für das Material. Jetzt sparen wir zwei, drei Transporte. Das Material für eine Baugrube geht komplett auf den Zetros, mit Pumpen, Filtern und allem“, schwärmt Klein.

Die Entscheidung zum Kauf des vielseitigen Schwergewichts hat Meinhard van Rüschen, Geschäftsführer der Wasserbau Wusterhausen GmbH, getroffen. Er war vom Zetros schon überzeugt, als er ihn auf Fotos sah. Sein Verkäufer Torsten Liebig vom Autohaus Jürgens in Neuruppin hatte sie ihm gezeigt. „Ich hab gleich gedacht: Der schreit nach Arbeit, das ist ein Kampftier für schweres Gelände“, erinnert sich der gebürtige Cloppenburger. „Heute denke ich noch genauso.“

“Ich hab gleich gedacht: Der schreit nach Arbeit, das ist ein Kampftier für schweres Gelände.”

Meinhard van Rüschen, Geschäftsführer Wasserbau Wusterhausen GmbH

Van Rüschen ließ es sich nicht nehmen, im Frühjahr mit zur Abholung des Fahrzeugs ins Werk nach Wörth zu fahren. „Ihn zum ersten Mal in unserer blauen Unternehmensfarbe zu sehen, das war ein besonderer Moment. Er macht nicht nur hervorragend seine Arbeit, sondern motiviert auch meine Mitarbeiter. Die finden ihn klasse – und die Kunden übrigens auch.“ Jetzt verhandelt er über den Kauf eines Zetros-Zweiachsers.

Mit beiden Beinen fest im Lehm steht Enrico Klein einige Meter vom Fahrzeug und lenkt mittels einer Fernbedienung den Kran. Eine Pumpe schwebt durch die Luft, er setzt sie in einiger Entfernung vom Zetros ab. Der Kran ist um 360 Grad drehbar. Weil der Zetros flach ist, kann man vor und hinter dem Fahrzeug arbeiten. Und – wichtig für die Wasserbauer – an beiden Seiten bohren. „Die Arbeitsweite ist doppelt so hoch wie früher“, lobt Klein. „Wir müssen den Zetros nicht mehr so oft umsetzen, schaffen viel mehr und sind außerdem flexibler.“

Der Transport von Pumpen und Abwassertransportleitungen gehört zum Kerngeschäft der Wusterhausener. Vier dieser Pumpen sind ratternd auf dem Gelände im Einsatz, Tag und Nacht, an sieben Tagen in der Woche. Jede kann bis zu 90 000 Liter Wasser in der Stunde fördern. Rohrleitungen führen es in einen Graben, von dort fließt es in die Elbe.

Kaum ist die Pumpe abgesetzt, befestigen Klein und Beckemeier ein Drehbohrgetriebe am Kran. Daran wird das Bohrgestänge fixiert. Mit einer Sprühdose hat Klein zuvor den Bohrpunkt markiert, genau dort wird der Bohrer angesetzt. „Geht gut rein“, sagt Beckemeier zufrieden, als die Schnecke sich langsam in den Boden dreht. Gerade mal 120 Millimeter beträgt der Bohrdurchmesser, bis zu sieben Meter tief kann gebohrt werden. Erst ist der Boden noch dunkel und lehmig, dann wird er grauer, sandiger und feuchter. Auf dem ganzen Gelände sind Dutzende von kleinen Brunnen verteilt. Klein kniet über dem Bohrloch und lässt ein Lichtlot hinab. Bei 2,30 Meter trifft es auf Grundwasser und beginnt zu leuchten. Die nahe Elbe macht sich bemerkbar, der Boden ist feucht.

Klein und Beckemeier bauen das Gestänge wieder ab, reinigen es und verstauen es auf der Ladefläche. Sie holen den Kran ein und fahren die Stützen zurück. Der Zetros ist wieder fahrbereit. Enrico Klein erklimmt das Führerhaus, das bei dem Hauber hinter die Vorderachse zurückgesetzt ist. Das verleiht ihm nicht nur seine charakteristische Silhouette, es macht ihn auf schwerem Terrain erst beherrschbar. Säße das Fahrerhaus wie bei einem Frontlenkerfahrzeug auf der Achse, würde der Fahrer durchgeschüttelt, als wäre er ein Rodeo-Reiter. Klein macht es sich auf dem luftgefederten Fahrersitz bequem, startet den 7,2-Liter-Diesel, versetzt den Zetros um 50 Meter. Bevor es zurückgeht nach Wusterhausen, gibt es noch eine Menge Löcher zu bohren.

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